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Interne Bewerbung: Tipps, Muster und was rechtlich gilt

Lisa PulsLisa Puls
19. Okt. 2026Max 8 Min. Lesezeit
Interne Bewerbung: Tipps, Muster und was rechtlich gilt

Kurz gesagt: Bei einer internen Bewerbung bewirbst du dich auf eine andere Stelle im eigenen Unternehmen. Sie ist meist kürzer als eine externe Bewerbung, sollte aber genauso sorgfältig sein. Sprich vorher mit deiner Führungskraft, wenn es die Kultur erlaubt. Für Arbeitgeber gilt: Der Betriebsrat kann verlangen, dass Stellen vor der Besetzung innerhalb des Betriebs ausgeschrieben werden (§ 93 BetrVG). Unterbleibt eine solche Ausschreibung, kann er die Zustimmung zur Besetzung verweigern (§ 99 Abs. 2 Nr. 5 BetrVG).

Was ist eine interne Bewerbung?

Eine interne Bewerbung ist die Bewerbung einer beschäftigten Person auf eine offene Stelle beim selben Arbeitgeber, etwa in einer anderen Abteilung, an einem anderen Standort oder auf einer höheren Ebene. Anlass ist meist eine interne Stellenausschreibung im Intranet, per Mail oder in einem Karriereportal. Es gibt auch Initiativbewerbungen, wenn jemand Interesse an einem Bereich ohne offene Stelle hat.

Für Unternehmen ist die interne Besetzung oft schneller und günstiger als eine externe Einstellung. Die Person kennt Abläufe und Kultur, die Einarbeitung ist kürzer, und gute Leute bleiben im Haus, statt zu kündigen. Mehr dazu im Beitrag zur Mitarbeiterentwicklung.

Interne Bewerbung schreiben: 6 Tipps

  1. Erst mit der Führungskraft sprechen. In den meisten Unternehmen erfährt sie es ohnehin. Besser, sie hört es von dir. Erkläre, warum du dich weiterentwickeln willst, nicht, warum du weg willst.
  2. Die Ausschreibung genau lesen. Interne Ausschreibungen nennen oft Fristen und Ansprechpersonen. Halte dich daran wie bei einer externen Bewerbung.
  3. Kurz, aber vollständig. Ein Anschreiben und ein aktueller Lebenslauf reichen meist. Zeugnisse liegen HR in der Personalakte vor, frag im Zweifel nach.
  4. Interne Erfolge zeigen. Nenne konkrete Projekte, Ergebnisse und Kennzahlen aus deiner jetzigen Rolle, die für die neue Stelle zählen.
  5. Netzwerk nutzen, aber nicht drängeln. Ein Gespräch mit dem künftigen Team hilft, die Stelle zu verstehen. Druck über Kontakte wirkt unprofessionell.
  6. Mit einer Absage rechnen. Bleib professionell, bitte um Feedback und frag, was dir für die nächste Gelegenheit fehlt.

Muster: Anschreiben für eine interne Bewerbung

Betreff: Interne Bewerbung als Teamleitung Lohnbuchhaltung (Ausschreibung vom 1. Oktober 2026)

Liebe Frau Schneider,

mit großem Interesse habe ich die interne Ausschreibung für die Teamleitung Lohnbuchhaltung gelesen. Seit vier Jahren arbeite ich im Team Payroll, seit 2025 als Senior-Sachbearbeiterin, und möchte jetzt mehr Verantwortung übernehmen.

In den letzten zwei Jahren habe ich die Umstellung auf die neue Abrechnungssoftware fachlich geleitet und drei neue Kolleginnen eingearbeitet. Die Zahl der Korrekturabrechnungen in meinem Bereich ist seitdem um rund ein Drittel gesunken. Ich kenne die Abläufe zwischen HR, Finance und unseren Standorten und weiß, wo es hakt.

Über meine Bewerbung habe ich Herrn Weber als meinen Vorgesetzten bereits informiert. Gern stelle ich Ihnen in einem Gespräch vor, wie ich das Team weiterentwickeln möchte.

Viele Grüße
Anna Becker
Payroll, Standort Köln

Passe Betreff, Ausschreibung, Erfolge und Namen an. Halte das Anschreiben bei maximal einer Seite.

Was rechtlich gilt

Interne Ausschreibung (§ 93 BetrVG): Der Betriebsrat kann verlangen, dass Arbeitsplätze, die besetzt werden sollen, allgemein oder für bestimmte Arten von Tätigkeiten vor ihrer Besetzung innerhalb des Betriebs ausgeschrieben werden. Ohne Betriebsrat besteht keine gesetzliche Pflicht zur internen Ausschreibung, viele Unternehmen machen es trotzdem.

Zustimmungsverweigerung (§ 99 BetrVG): In Unternehmen mit in der Regel mehr als 20 wahlberechtigten Beschäftigten muss der Arbeitgeber den Betriebsrat vor jeder Einstellung und Versetzung unterrichten und seine Zustimmung einholen. Der Betriebsrat kann die Zustimmung unter anderem verweigern, wenn eine nach § 93 erforderliche Ausschreibung im Betrieb unterblieben ist (§ 99 Abs. 2 Nr. 5 BetrVG). Er muss das innerhalb einer Woche schriftlich und mit Gründen mitteilen, sonst gilt die Zustimmung als erteilt (§ 99 Abs. 3 BetrVG).

Versetzung: Wechselt jemand intern die Stelle, ist das meist eine Versetzung im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes, also die Zuweisung eines anderen Arbeitsbereichs, die voraussichtlich länger als einen Monat dauert oder mit einer erheblichen Änderung der Umstände verbunden ist (§ 95 Abs. 3 BetrVG).

Teilzeit: Ein Arbeitsplatz, den der Arbeitgeber öffentlich oder innerhalb des Betriebs ausschreibt, muss auch als Teilzeitarbeitsplatz ausgeschrieben werden, wenn er sich dafür eignet (§ 7 Abs. 1 TzBfG). Teilzeitbeschäftigte, die in Textform den Wunsch nach mehr Stunden angezeigt haben, sind bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bei gleicher Eignung bevorzugt zu berücksichtigen, außer dringende betriebliche Gründe oder Arbeitszeitwünsche anderer Teilzeitbeschäftigter stehen entgegen (§ 9 TzBfG).

Gleichbehandlung: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt auch für den beruflichen Aufstieg. Wer sich bei einer internen Bewerbung benachteiligt sieht, muss Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Ablehnung schriftlich geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG). Dokumentiere deshalb die Auswahlkriterien und Gründe sachlich.

Bestehender Vertrag: Eine interne Bewerbung ist keine Kündigung. Das Arbeitsverhältnis besteht weiter, Betriebszugehörigkeit und Kündigungsschutz bleiben erhalten. Neue Aufgaben, Gehalt oder Arbeitsort werden in einer Vertragsänderung festgehalten.

Der Ablauf aus Sicht von HR

  1. Bedarf klären und Stelle freigeben, idealerweise aus der Personalbedarfsplanung.
  2. Intern ausschreiben, mit Frist, Anforderungen und Hinweis auf Teilzeiteignung. Prüfe, ob eine Betriebsvereinbarung eine Mindestfrist vor der externen Ausschreibung vorsieht.
  3. Bewerbungen vertraulich behandeln. Die aktuelle Führungskraft erfährt erst davon, wenn die Person einverstanden ist oder es in die engere Auswahl geht, je nach interner Regel.
  4. Gleiche Kriterien für interne und externe Kandidaten anwenden und die Auswahl dokumentieren.
  5. Betriebsrat beteiligen nach § 99 BetrVG.
  6. Absagen persönlich führen, mit Feedback und Entwicklungsperspektive. Eine schlecht kommunizierte interne Absage ist ein häufiger Kündigungsgrund.
  7. Übergang planen: Wechseltermin, Nachfolge in der alten Rolle, Vertragsänderung.

Mit der internen Mobilität in flair gibst du Beschäftigten einen Ort, an dem sie offene Stellen entdecken, Bekannte empfehlen und sehen, wer die nötigen Skills mitbringt. Mit Karrierepfaden zeigst du, welche Wege intern möglich sind, und das Recruiting bündelt interne und externe Bewerbungen in einem Prozess.

Häufige Fragen

Was schreibt man in eine interne Bewerbung?

Warum dich die Stelle interessiert, welche Erfahrungen und Erfolge aus deiner jetzigen Rolle passen und was du in der neuen Rolle erreichen willst. Erwähne, dass du deine Führungskraft informiert hast, wenn das der Fall ist.

Muss ich meinen Chef über eine interne Bewerbung informieren?

Gesetzlich nicht. In den meisten Unternehmen ist es aber üblich und fair, und oft erfährt die Führungskraft es spätestens im Auswahlprozess. Prüfe die internen Regeln, manche Unternehmen sichern Vertraulichkeit bis zur engeren Auswahl zu.

Werden interne Bewerber bevorzugt?

Einen allgemeinen Anspruch auf Bevorzugung gibt es nicht. Viele Unternehmen bevorzugen interne Kandidaten bei gleicher Eignung freiwillig oder per Betriebsvereinbarung. Teilzeitbeschäftigte, die mehr Stunden arbeiten möchten, sind unter den Voraussetzungen des § 9 TzBfG bevorzugt zu berücksichtigen.

Was ist der Unterschied zwischen interner und externer Bewerbung?

Bei der internen Bewerbung bist du bereits beim Arbeitgeber beschäftigt und bewirbst dich auf eine andere Stelle. Bei der externen Bewerbung kommst du von außen. Interne Bewerbungen sind meist kürzer, weil HR viele Unterlagen schon kennt.

Muss jede Stelle intern ausgeschrieben werden?

Nur wenn der Betriebsrat das nach § 93 BetrVG verlangt hat, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung es vorsieht. Ohne solche Regelungen kann der Arbeitgeber frei entscheiden.

Gibt es nach einem internen Wechsel eine neue Probezeit?

Das Arbeitsverhältnis besteht fort, der Kündigungsschutz bleibt erhalten. Manche Unternehmen vereinbaren für die neue Rolle eine Erprobungsphase mit Rückkehrrecht. Das ist dann eine vertragliche Absprache, keine neue Probezeit im Sinne einer verkürzten Kündigungsfrist.

Was tun nach einer internen Absage?

Bitte um ein Feedbackgespräch, frag nach konkreten Entwicklungsfeldern und vereinbare, wie du dich auf die nächste passende Stelle vorbereiten kannst. Eine Absage ist keine Bewertung deiner jetzigen Arbeit.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.

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