Sonderurlaub bei Geburt: Was Väter und Partnerinnen 2026 bekommen
Lisa Puls
Kurz gesagt: Bei der Geburt des eigenen Kindes bekommt der zweite Elternteil meist einen bezahlten Arbeitstag Sonderurlaub, gestützt auf § 616 BGB oder den Tarifvertrag (TVöD: ein Arbeitstag). Einen gesetzlichen, bezahlten Vaterschaftsurlaub gibt es in Deutschland bisher nicht. Wer länger zu Hause bleiben will, nimmt Erholungsurlaub oder Elternzeit, die spätestens sieben Wochen vor Beginn verlangt werden muss.
Rechtsgrundlage
§ 616 BGB sichert das Gehalt, wenn Beschäftigte für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit aus einem persönlichen Grund ohne eigenes Verschulden nicht arbeiten können. Die Geburt des eigenen Kindes ist ein typischer Anlass dafür. Der Anspruch besteht nur, soweit der Arbeitsvertrag § 616 BGB nicht einschränkt oder ausschließt.
Der TVöD regelt den Fall ausdrücklich. Nach § 29 Abs. 1 Buchst. a gibt es einen Arbeitstag bezahlte Arbeitsbefreiung bei „Niederkunft der Ehefrau, Lebenspartnerin im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes oder der in ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft lebenden Lebensgefährtin“. Im öffentlichen Dienst sind unverheiratete Partner also ausdrücklich erfasst.
Gibt es einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub?
Nein, Stand Oktober 2026 nicht. Das Mutterschutzgesetz schützt nur die Person, die entbunden hat. Ein Gesetz, das dem zweiten Elternteil rund um die Geburt bezahlte Freistellung gibt, ist bisher nicht in Kraft. Die von der früheren Bundesregierung geplante „Familienstartzeit“ wurde nicht verabschiedet. Viele Arbeitgeber geben freiwillig mehr als einen Tag, etwa als Benefit im Wettbewerb um Fachkräfte.
Wer bekommt was rund um die Geburt?
| Person | Regelung |
|---|---|
| Mutter | Mutterschutz: kein Einsatz bis acht Wochen nach der Entbindung, zwölf Wochen bei Früh- oder Mehrlingsgeburten (§ 3 Abs. 2 MuSchG). Sonderurlaub braucht es nicht. |
| Vater oder Partnerin, Vertrag ohne Ausschluss | In der Regel 1 Tag nach § 616 BGB |
| Vater oder Partnerin im TVöD | 1 Arbeitstag (§ 29 Abs. 1 Buchst. a TVöD), auch in nichtehelicher Lebensgemeinschaft |
| Vertrag schließt § 616 BGB aus | Kein Anspruch, außer der Vertrag sieht eine eigene Regel vor |
Elternzeit und Elterngeld im Anschluss
- Elternzeit: Beide Elternteile haben Anspruch bis zum dritten Geburtstag des Kindes (§ 15 BEEG). Sie muss für diesen Zeitraum spätestens sieben Wochen vor Beginn in Textform verlangt werden, zusammen mit der Erklärung, für welche Zeiten innerhalb von zwei Jahren sie genommen wird. Bei dringenden Gründen ist ausnahmsweise eine kürzere Frist möglich (§ 16 Abs. 1 BEEG).
- Kündigungsschutz: ab dem Verlangen, frühestens acht Wochen vor Beginn der Elternzeit (§ 18 BEEG).
- Elterngeld: Eltern haben gemeinsam Anspruch auf zwölf Monate Basiselterngeld. Zwei weitere Partnermonate kommen hinzu, wenn das Erwerbseinkommen eines Elternteils in zwei Lebensmonaten gemindert ist (§ 4 Abs. 3 BEEG). Gleichzeitig Basiselterngeld beziehen können beide nur in einem der ersten zwölf Lebensmonate, mit Ausnahmen etwa bei Mehrlings- und Frühgeburten (§ 4 Abs. 6 BEEG).
Mehr zur Planung im Beitrag Elternzeit verlängern und zum Mutterschutz unter Wissenswertes zum Mutterschutz.
Beispiel: die ersten Wochen planen
Ein Mitarbeiter mit 4.200 € brutto, Fünf-Tage-Woche, Arbeitsvertrag ohne Ausschluss von § 616 BGB. Errechneter Geburtstermin ist der 15. Januar 2027. Er möchte nach der Geburt zwei Wochen zu Hause sein und ab dem zweiten Lebensmonat zwei Monate Elternzeit nehmen.
- Tag der Geburt: 1 Tag Sonderurlaub, bezahlt, das Urlaubskonto bleibt unberührt. Kosten zur Veranschaulichung: 4.200 € × 3 ÷ 65 ≈ 194 €.
- Die restlichen Tage der ersten zwei Wochen: 9 Tage Erholungsurlaub. Wie viel Urlaub übrig bleibt, zeigt der Urlaubsrechner.
- Elternzeit für den zweiten und dritten Lebensmonat: spätestens sieben Wochen vor Beginn in Textform anmelden, also schon vor der Geburt, wenn der Beginn kurz nach dem Termin liegt.
In der Abwesenheitsverwaltung von flair legst du „Sonderurlaub Geburt“ als eigene Abwesenheitsart an. Mitarbeitende beantragen den Tag kurzfristig per App, auch wenn das Kind früher kommt. Elternzeiten planst du im selben Kalender, damit Vertretungen rechtzeitig feststehen.
Häufige Fragen
Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es bei der Geburt?
Üblich ist ein Arbeitstag für den zweiten Elternteil, nach § 616 BGB oder Tarifvertrag. Im TVöD ist es genau ein Arbeitstag. Mehr gibt es nur, wenn Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung es vorsehen.
Gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub?
Nein, Stand Oktober 2026 nicht. Die geplante Familienstartzeit wurde nicht Gesetz. Wer länger frei sein will, nimmt Erholungsurlaub oder Elternzeit.
Haben unverheiratete Väter Anspruch auf Sonderurlaub bei der Geburt?
Nach § 616 BGB kommt es auf die persönliche Verhinderung an, nicht auf die Ehe. Der TVöD nennt die Lebensgefährtin in eheähnlicher Gemeinschaft ausdrücklich. Bei privaten Arbeitgebern entscheidet die Formulierung im Vertrag.
Bekommt die Mutter Sonderurlaub bei der Geburt?
Nein, sie braucht keinen. Nach der Entbindung gilt für sie der Mutterschutz: Der Arbeitgeber darf sie acht Wochen lang nicht beschäftigen, bei Früh- oder Mehrlingsgeburten zwölf Wochen.
Wann muss ich die Elternzeit nach der Geburt anmelden?
Spätestens sieben Wochen vor ihrem Beginn, in Textform beim Arbeitgeber. Soll sie direkt mit der Geburt beginnen, muss die Anmeldung also vor dem errechneten Termin erfolgen.
Kann der Arbeitgeber Sonderurlaub bei der Geburt verweigern?
Schließt der Arbeitsvertrag § 616 BGB aus und regelt nichts anderes, gibt es in der Regel keinen bezahlten Tag. Ist § 616 BGB nicht ausgeschlossen oder gilt ein Tarifvertrag wie der TVöD, muss der Tag bezahlt gewährt werden.
Weiterlesen im HR-Lexikon
- Sonderurlaub: alle Anlässe im Überblick
- Sonderurlaub bei Hochzeit
- Elternzeit verlängern
- Alle Begriffe im HR-Lexikon
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.
In Verbindung stehende Artikel

Mitarbeiterführung: Definition, Aufgaben, Führungsstile und Fehler
Mitarbeiterführung (auch Personalführung) heißt, Mitarbeitende zielgerichtet zu leiten. Welche Aufgaben dazugehören, wie direkte und indirekte Führung wirken und welche Fehler Du vermeiden solltest.

Schmutzzulage: Anspruch, Höhe im TVöD und Steuer in Deutschland und Österreich
Die Schmutzzulage bzw. Erschwerniszulage wird an Arbeitnehmende gezahlt, die sich während ihrer Arbeitszeit in besonders ungewöhnliche oder auch risikoreiche Situationen bringen.

Qualifizierte elektronische Signatur (QES): Definition, Beispiel und Einsatz im HR
Die qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist eine spezielle Form der digitalen Signatur, die viel Vertrauen und Sicherheit für Online-Transaktionen bietet. Sie ist in dieser digitalen Welt kaum noch wegzudenken.
