Sonderurlaub bei Hochzeit: Wie viele Tage gibt es für die eigene Trauung?
Lisa Puls
Kurz gesagt: Ein Gesetz, das ausdrücklich Sonderurlaub für die Hochzeit vorsieht, gibt es nicht. Bezahlte Freistellung kann sich aus § 616 BGB ergeben, wenn der Arbeitsvertrag ihn nicht ausschließt, oder aus Tarif- und Arbeitsvertrag. Üblich ist ein Arbeitstag für die eigene Trauung. Der TVöD sieht für die Hochzeit keinen Sonderurlaub vor. Fällt die Hochzeit auf einen arbeitsfreien Tag, gibt es keinen zusätzlichen Tag.
Rechtsgrundlage
§ 616 BGB sichert die Vergütung, wenn Beschäftigte „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in ihrer Person liegenden Grund ohne ihr Verschulden an der Dienstleistung verhindert“ sind. Eine Liste von Anlässen enthält das Gesetz nicht. In der Praxis wird die eigene Hochzeit häufig als solcher Grund behandelt. Viele Arbeitgeber regeln sie aber ausdrücklich, und viele Arbeitsverträge schränken § 616 BGB ein oder schließen ihn aus. Maßgeblich ist deshalb zuerst der Vertrag.
Tarifverträge können die Anlässe abschließend regeln. Der TVöD tut das in § 29 Abs. 1: Als Fälle nach § 616 BGB „gelten nur die folgenden Anlässe“. Die eigene Hochzeit steht nicht auf dieser Liste. Der Arbeitgeber kann im öffentlichen Dienst aber „in sonstigen dringenden Fällen“ bis zu drei Arbeitstage bezahlt freistellen (§ 29 Abs. 3 TVöD).
Welche Hochzeit zählt?
| Situation | Sonderurlaub? |
|---|---|
| Eigene Trauung an einem Arbeitstag | Üblich: 1 Tag, sofern § 616 BGB nicht ausgeschlossen ist oder Vertrag/Tarif es vorsieht |
| Standesamt und kirchliche Trauung an verschiedenen Tagen | Meist nur ein Tag; welcher, regelt die Vereinbarung im Unternehmen |
| Hochzeit an einem arbeitsfreien Tag (z. B. Samstag) | Kein Anspruch, weil keine Arbeit ausfällt |
| Hochzeit des eigenen Kindes oder von Geschwistern | Nur, wenn Vertrag oder Tarif es vorsehen |
| Polterabend, Junggesellenabschied, Flitterwochen | Kein Sonderurlaub; dafür ist Erholungsurlaub da |
Was HR festlegen sollte
- Klare Regel: Schreibe fest, ob und wie viele Tage es für die eigene Hochzeit gibt, ob Standesamt oder kirchliche bzw. freie Trauung zählt und ob Hochzeiten in der Familie erfasst sind. Ein guter Ort dafür ist das Mitarbeiterhandbuch.
- Gleichbehandlung: Behandle Eheschließung und Verpartnerung gleich und vermeide, dass jede Führungskraft anders entscheidet.
- Nachweis: Lege fest, ob eine Kopie der Eheurkunde nötig ist.
- Zeitlicher Zusammenhang: Der Tag gilt für den Hochzeitstag selbst, nicht zum späteren Nachholen.
- Abgrenzung: Wer zusätzlich frei möchte, nimmt Erholungsurlaub oder unbezahlten Urlaub.
Beispielrechnung
Eine Mitarbeiterin mit 3.900 € brutto im Monat und Fünf-Tage-Woche heiratet an einem Freitag standesamtlich, die kirchliche Trauung folgt am Samstag. Ihr Vertrag sieht einen Tag Sonderurlaub für die eigene Hochzeit vor.
- Sonderurlaub: 1 Tag (Freitag). Für Samstag entsteht kein Anspruch, sie arbeitet samstags nicht.
- Gehalt: läuft unverändert weiter.
- Kosten für den Arbeitgeber, zur Veranschaulichung: 3.900 € × 3 ÷ 65 ≈ 180 €.
- Urlaubskonto: unverändert. Hängt sie eine Woche Flitterwochen an, sind das 5 Tage Erholungsurlaub.
In der Abwesenheitsverwaltung von flair legst du „Sonderurlaub Hochzeit“ als eigene Abwesenheitsart mit fester Tageszahl an. Mitarbeitende beantragen ihn wie Urlaub, die Freigabe läuft über denselben Workflow, das Urlaubskonto bleibt unberührt.
Häufige Fragen
Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es zur Hochzeit?
Üblich ist ein Arbeitstag für die eigene Trauung. Eine gesetzliche Tageszahl gibt es nicht; maßgeblich sind Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub zur Hochzeit?
Nicht ausdrücklich. In Betracht kommt § 616 BGB, der bezahlte Freistellung bei kurzer, unverschuldeter persönlicher Verhinderung sichert. Viele Verträge schließen ihn aus oder ersetzen ihn durch eine eigene Regel.
Gibt es Sonderurlaub, wenn die Hochzeit an einem Samstag ist?
Nein, wenn samstags nicht gearbeitet wird. Sonderurlaub ersetzt nur Arbeitszeit, die wegen des Anlasses ausfällt.
Bekommen Beschäftigte im öffentlichen Dienst Sonderurlaub zur Hochzeit?
Nach TVöD nicht, weil die Hochzeit nicht zu den abschließend aufgezählten Anlässen in § 29 Abs. 1 gehört. Der Arbeitgeber kann aber in sonstigen dringenden Fällen bis zu drei Tage bezahlt freistellen.
Gibt es Sonderurlaub für die Hochzeit meines Kindes?
Nur, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung es vorsehen. Sonst bleibt Erholungsurlaub.
Wird Sonderurlaub zur Hochzeit vom Jahresurlaub abgezogen?
Nein. Sonderurlaub ist eine eigene bezahlte Freistellung und mindert den Erholungsurlaub nicht.
Weiterlesen im HR-Lexikon
- Sonderurlaub: alle Anlässe im Überblick
- Sonderurlaub bei Geburt
- Sonderurlaub bei Umzug
- Alle Begriffe im HR-Lexikon
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.
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