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Sonderurlaub bei Umzug: Gibt es einen Anspruch auf einen freien Tag?

Lisa PulsLisa Puls
5. Okt. 2026Max 4 Min. Lesezeit
Sonderurlaub bei Umzug: Gibt es einen Anspruch auf einen freien Tag?

Kurz gesagt: Für einen privaten Umzug gibt es in der Regel keinen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub. Ein Umzug ist planbar und kann auf Wochenende oder Urlaub gelegt werden. Anders ist es, wenn der Umzug dienstlich veranlasst ist oder Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag einen freien Tag vorsehen. Dann ist meist 1 Arbeitstag üblich.

Rechtsgrundlage

Ein eigenes Gesetz für Sonderurlaub bei Umzug gibt es nicht. Als Grundlage kommt nur § 616 BGB in Frage: Er sichert das Gehalt, wenn Beschäftigte aus einem persönlichen Grund kurz und unverschuldet verhindert sind.

Für einen privaten Umzug greift § 616 BGB in der Regel nicht, weil sich ein Umzug langfristig planen und außerhalb der Arbeitszeit erledigen lässt. Ganz ausgeschlossen ist er aber nicht: Das BAG hat einen Anspruch im Einzelfall anerkannt, wenn die Arbeit am Umzugstag unzumutbar ist (BAG, 25.04.1960 – 1 AZR 16/58).

Auch bei einem dienstlich veranlassten Umzug, etwa nach einer Versetzung an einen anderen Standort, entsteht ohne Tarif- oder Vertragsregel nur dann ein Anspruch, wenn der Umzug nicht außerhalb der Arbeitszeit möglich ist. Viele Tarifverträge sehen hier aber einen freien Tag vor, der TVöD zum Beispiel in § 29 einen Arbeitstag beim Umzug aus dienstlichem oder betrieblichem Grund an einen anderen Ort.

Wann es trotzdem einen freien Tag gibt

  • Tarifvertrag: Viele Branchentarifverträge gewähren einen Tag für den Umzug mit eigenem Hausstand.
  • Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung: Unternehmen können freiwillig Sonderurlaub für Umzüge regeln.
  • Betriebliche Übung: Wer jahrelang allen Beschäftigten vorbehaltlos einen Umzugstag gewährt, kann daraus einen Anspruch entstehen lassen.
  • Dienstlicher Anlass: Bei Versetzung oder Standortwechsel ist ein bezahlter Tag üblich und fair.

Gibt es keinen Anspruch, bleiben Urlaub, der Abbau von Überstunden oder Gleitzeit oder ein Tag unbezahlter Urlaub.

Beispielrechnung

Ein Mitarbeiter mit 30 Urlaubstagen zieht privat innerhalb der Stadt um. Es gibt keine tarifliche oder vertragliche Regelung.

  • Ohne Sonderurlaub: Er nimmt einen Urlaubstag. Urlaubskonto: 29 von 30 Tagen.
  • Mit freiwilligem Umzugstag: Der Arbeitgeber zahlt einen Tag weiter. Bei 3.250 € brutto im Monat sind das 3.250 € × 3 ÷ 65 = 150 €. Urlaubskonto: 30 von 30 Tagen.

Die Kosten eines freiwilligen Umzugstags sind überschaubar. Eine klare Regel verhindert aber, dass jede Führungskraft anders entscheidet.

Was HR beachten sollte

  • Einheitlich regeln: Lege fest, ob es einen Umzugstag gibt, wie oft (z. B. einmal pro Jahr) und ob ein Nachweis nötig ist (Meldebescheinigung).
  • Freiwilligkeit klarstellen: Wer ohne Rechtspflicht gewährt, sollte das ausdrücklich als freiwillige Leistung kennzeichnen, um keine betriebliche Übung entstehen zu lassen.
  • Adresse aktualisieren: Die neue Anschrift gehört in Personalakte und Lohnabrechnung. Die Ummeldung beim Bürgeramt erledigen Beschäftigte selbst, die Steuerdaten (ELStAM) aktualisieren sich automatisch. Gegebenenfalls Fahrtkostenzuschuss oder Jobticket anpassen.

In der Abwesenheitsverwaltung von flair legst du einen „Umzugstag“ als eigene Abwesenheitsart an, inklusive Kontingent pro Jahr. Mitarbeitende pflegen ihre neue Adresse selbst im Employee Hub.

Häufige Fragen

Habe ich bei einem Umzug Anspruch auf Sonderurlaub?

Bei einem privaten Umzug in der Regel nicht, es sei denn, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag sehen ihn vor. Bei einem dienstlich veranlassten Umzug ist ein freier Tag üblich.

Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es bei einem Umzug?

Wenn es eine Regelung gibt, ist meist ein Arbeitstag vorgesehen. Mehr als zwei Tage sind selten.

Gilt § 616 BGB bei einem Umzug?

In der Regel nicht, weil der Termin planbar ist. Das BAG hat einen Anspruch aber im Einzelfall anerkannt, wenn die Arbeit am Umzugstag unzumutbar ist (BAG, 25.04.1960 – 1 AZR 16/58).

Muss ich einen Nachweis für den Umzug erbringen?

Der Arbeitgeber darf einen Nachweis verlangen, wenn er Sonderurlaub gewährt. Üblich ist die Meldebescheinigung oder der neue Mietvertrag.

Kann ich am Umzugstag im Homeoffice arbeiten?

Nur, wenn tatsächlich gearbeitet wird und mobiles Arbeiten vereinbart ist. Ein Umzug neben der Arbeit ist in der Regel nicht realistisch. Ehrlicher ist ein Urlaubstag oder ein vereinbarter Sonderurlaub.

Weiterlesen im HR-Lexikon

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.

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