Die Nummer Eins HR-Lösung auf Salesforce

← Blog
HR Lexikon

Sonderurlaub bei Todesfall: Wie viele Tage stehen Beschäftigten zu?

Lisa PulsLisa Puls
5. Okt. 2026Max 5 Min. Lesezeit
Sonderurlaub bei Todesfall: Wie viele Tage stehen Beschäftigten zu?

Kurz gesagt: Ein eigenes Gesetz für Sonderurlaub bei Todesfall gibt es nicht. Der Anspruch ergibt sich meist aus § 616 BGB, aus dem Tarifvertrag oder dem Arbeitsvertrag. Üblich sind 2 Arbeitstage beim Tod von Ehepartner:in, Kind oder Elternteil und 1 Arbeitstag bei Geschwistern, Großeltern oder Schwiegereltern. Das Gehalt läuft weiter, der Erholungsurlaub bleibt unangetastet.

Rechtsgrundlage: § 616 BGB

§ 616 BGB regelt die „vorübergehende Verhinderung“: Wer für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ aus einem persönlichen Grund ohne eigenes Verschulden nicht arbeiten kann, behält seinen Vergütungsanspruch. Der Tod eines nahen Angehörigen und die Beerdigung sind anerkannte Fälle.

Wie viele Tage „nicht erheblich“ sind, sagt das Gesetz nicht. In der Praxis orientieren sich Arbeitgeber an Tarifverträgen. Der TVöD etwa sieht in § 29 zwei Arbeitstage beim Tod von Ehegatt:in, eingetragener Lebenspartner:in, Kind oder Elternteil vor. Er regelt die Fälle des § 616 BGB abschließend: Für Geschwister, Großeltern oder Schwiegereltern gibt es dort keinen Tag.

Wichtig: § 616 BGB ist abdingbar. Arbeits- oder Tarifvertrag können ihn einschränken oder ganz ausschließen; in Formulararbeitsverträgen muss die Klausel klar und transparent sein (§ 307 BGB). Steht im Vertrag „§ 616 BGB findet keine Anwendung“ und gibt es keine tarifliche Regelung, besteht kein Anspruch auf bezahlte Freistellung. Beschäftigte müssen dann Urlaub nehmen oder unbezahlten Urlaub vereinbaren.

Übliche Tage nach Verwandtschaftsgrad

  • Ehepartner:in, eingetragene:r Lebenspartner:in, Kind, Elternteil: 2 Arbeitstage
  • Geschwister, Großeltern, Schwiegereltern: häufig 1 Arbeitstag (meist der Tag der Beerdigung)
  • Weitere Verwandte, Freund:innen: in der Regel kein Sonderurlaub; Urlaub oder Gleitzeit

Das sind Richtwerte: Die zwei Tage entsprechen dem TVöD, der eine Tag für weitere Angehörige stammt aus einigen Branchentarifverträgen und der Unternehmenspraxis. Manche Tarifverträge sind großzügiger, der MTV Holz und Kunststoff Baden-Württemberg etwa sieht drei Tage beim Tod von Ehepartner:in vor. Maßgeblich ist immer die konkrete Regelung im Unternehmen.

Beispielrechnung

Eine Mitarbeiterin verdient 3.900 € brutto im Monat und arbeitet fünf Tage pro Woche. Ihr Vater stirbt, der Arbeitsvertrag enthält keinen Ausschluss von § 616 BGB.

  • Gehalt: läuft unverändert weiter, es gibt keinen Abzug (Lohnausfallprinzip)
  • Kosten für den Arbeitgeber, zur Veranschaulichung: 3.900 € × 3 ÷ 65 ≈ 180 € pro Arbeitstag, also rund 360 € für 2 Tage
  • Urlaubskonto: unverändert, z. B. 30 von 30 Tagen

Hätte die Mitarbeiterin stattdessen zwei Urlaubstage genommen, blieben ihr nur noch 28 Tage. Genau deshalb sollte Sonderurlaub als eigene Abwesenheitsart erfasst werden und nicht vom Urlaub abgehen.

Was HR beachten sollte

  • Regelung festhalten: Welche Anlässe wie viele Tage auslösen, gehört in den Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder das Mitarbeiterhandbuch.
  • Nachweis mit Augenmaß: Eine Kopie der Sterbeurkunde oder Traueranzeige darf verlangt werden. Viele Unternehmen verzichten darauf.
  • Zeitlicher Zusammenhang: Der Sonderurlaub muss nicht exakt am Todestag liegen, aber in direktem Zusammenhang stehen (Todestag, Beerdigung, notwendige Formalitäten).
  • Gleichbehandlung: Teilzeitkräfte haben den gleichen Anspruch für die Tage, an denen sie sonst gearbeitet hätten.
  • Krankschreibung: Trauer kann krank machen. Stellt eine Ärztin oder ein Arzt Arbeitsunfähigkeit fest, gilt die normale Entgeltfortzahlung, unabhängig vom Sonderurlaub.

In der Abwesenheitsverwaltung von flair legst du Sonderurlaub als eigene Abwesenheitsart mit fester Tageszahl an. Anträge laufen über den gleichen Freigabeprozess wie Urlaub, das Urlaubskonto bleibt unberührt.

Häufige Fragen

Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es beim Tod der Oma?

Beim Tod der Großeltern ist ein Arbeitstag üblich, meist für die Beerdigung. Einen gesetzlich festgelegten Wert gibt es nicht; entscheidend sind Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder betriebliche Praxis.

Wird Sonderurlaub vom Urlaub abgezogen?

Nein. Sonderurlaub nach § 616 BGB ist eine bezahlte Freistellung und kein Erholungsurlaub. Der Urlaubsanspruch bleibt vollständig erhalten.

Was gilt, wenn der Todesfall während des Urlaubs passiert?

Während des Urlaubs besteht keine Arbeitspflicht, also auch keine Verhinderung im Sinne von § 616 BGB. Die Urlaubstage werden nicht gutgeschrieben. Ausnahme: Ist die Person ärztlich bescheinigt arbeitsunfähig, werden diese Tage nach § 9 BUrlG nicht auf den Urlaub angerechnet.

Kann der Arbeitgeber Sonderurlaub bei Todesfall verweigern?

Ja, wenn § 616 BGB im Arbeitsvertrag wirksam ausgeschlossen ist und kein Tarifvertrag greift. Dann bleibt nur Urlaub oder unbezahlte Freistellung. Viele Arbeitgeber gewähren trotzdem freiwillig Tage.

Gibt es Sonderurlaub auch für Teilzeitkräfte und Minijobber?

Ja. § 616 BGB gilt für alle Arbeitsverhältnisse. Freigestellt werden die Tage, an denen die Person laut Arbeitszeitmodell gearbeitet hätte.

Weiterlesen im HR-Lexikon

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.

Kostenlose Demo

Die flexible HR-Plattform auf Salesforce

Demo buchen

In Verbindung stehende Artikel