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Tantieme: Gewinnbeteiligung für Geschäftsführung und Führungskräfte richtig vereinbaren

Lisa PulsLisa Puls
9. Okt. 2026Max 7 Min. Lesezeit
Tantieme: Gewinnbeteiligung für Geschäftsführung und Führungskräfte richtig vereinbaren

Kurz gesagt: Eine Tantieme ist eine Gewinnbeteiligung, meist als Prozentsatz vom Jahresüberschuss oder einer anderen Erfolgskennzahl. Sie wird vor allem Vorständen, Geschäftsführerinnen und leitenden Angestellten gezahlt. Für Beschäftigte ist sie Arbeitslohn und wird als sonstiger Bezug versteuert. Sie ist in der Regel Teil der vertraglich geschuldeten Vergütung, keine freiwillige Gratifikation. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern einer GmbH achtet das Finanzamt besonders auf die Angemessenheit, sonst droht eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Was ist eine Tantieme?

Der Begriff stammt vom französischen „tant“ (so viel) und bezeichnet einen Anteil am Ertrag. Im Personalwesen ist damit eine erfolgsabhängige Vergütung gemeint, die prozentual nach einer Kennzahl berechnet wird, die den Erfolg des Unternehmens oder eines Unternehmensteils abbildet: Jahresüberschuss, Gewinn vor Steuern, EBIT oder seltener der Umsatz.

Außerhalb von HR begegnet dir das Wort auch im Urheberrecht: Autorinnen, Komponisten oder Schauspieler erhalten Tantiemen für die Nutzung ihrer Werke, etwa über Verwertungsgesellschaften wie die GEMA. Um diese Bedeutung geht es hier nicht.

Wer bekommt eine Tantieme?

  • Vorstandsmitglieder einer AG: Der Aufsichtsrat legt die Vergütung fest. Sie muss in einem angemessenen Verhältnis zu Aufgaben und Leistungen sowie zur Lage der Gesellschaft stehen und darf die übliche Vergütung nicht ohne besondere Gründe übersteigen (§ 87 Abs. 1 AktG). Bei börsennotierten Gesellschaften soll sie auf eine nachhaltige, langfristige Entwicklung ausgerichtet sein, variable Teile sollen eine mehrjährige Bemessungsgrundlage haben.
  • Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer einer GmbH: Die Tantieme wird im Anstellungsvertrag vereinbart. Ist die Person zugleich Gesellschafterin, gelten steuerlich strengere Maßstäbe (siehe unten).
  • Leitende Angestellte: Bereichs- oder Niederlassungsleitungen erhalten oft eine Tantieme auf das Ergebnis ihres Verantwortungsbereichs.

Tantieme, Bonus, Provision, Gratifikation: die Unterschiede

VergütungsformBemessungTypische Empfänger
TantiemeProzentsatz vom Gewinn oder einer Ergebniskennzahl des Unternehmens oder BereichsVorstand, Geschäftsführung, leitende Angestellte
BonusErreichung individueller, Team- oder UnternehmenszieleGrundsätzlich alle Beschäftigten
ProvisionProzentsatz vom vermittelten oder abgeschlossenen GeschäftVertrieb, Außendienst
GratifikationAnlassbezogen (Weihnachten, Jubiläum), oft ohne LeistungsbezugAlle oder bestimmte Gruppen

Die Grenzen sind fließend. Entscheidend ist, was im Vertrag steht: Bemessungsgrundlage, Prozentsatz, Bezugszeitraum, Fälligkeit und was bei Ein- oder Austritt im laufenden Jahr gilt.

So wird die Tantieme berechnet

Die Formel ist einfach: Tantieme = Bemessungsgrundlage × vereinbarter Prozentsatz. Streit entsteht fast immer über die Bemessungsgrundlage. Ein guter Vertrag regelt deshalb:

  • welche Kennzahl gilt (Jahresüberschuss laut festgestelltem Jahresabschluss, Ergebnis vor Steuern, EBIT),
  • ob die Tantieme selbst und die Ertragsteuern vorher abgezogen werden,
  • wie Verlustvorträge, außerordentliche Erträge oder Sondereffekte behandelt werden,
  • ob es eine Obergrenze (Cap) gibt,
  • was bei unterjährigem Eintritt oder Ausscheiden gilt, in der Regel eine zeitanteilige Zahlung.

Weil die Tantieme Entgelt für die laufende Arbeitsleistung ist, sind Klauseln heikel, nach denen sie bei Ausscheiden vor einem Stichtag ganz entfällt. Für Sonderzahlungen mit Vergütungscharakter hat das BAG solche Stichtagsklauseln in Formularverträgen für unwirksam gehalten (BAG, 13.11.2013, 10 AZR 848/12).

Besteuerung und Fälligkeit

  • Lohnsteuer: Für Beschäftigte, auch für angestellte Geschäftsführer, ist die Tantieme Arbeitslohn (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Sie wird als sonstiger Bezug mit der Jahreslohnsteuertabelle versteuert (§ 39b Abs. 3 EStG). Wie das funktioniert, zeigt der Beitrag zur Bonuszahlung.
  • Sozialversicherung: Sie ist einmalig gezahltes Arbeitsentgelt und wird dem Monat der Auszahlung zugeordnet (§ 23a SGB IV). Für sozialversicherungsfreie Vorstandsmitglieder einer AG fallen keine Beiträge an.
  • Fälligkeit: Da die Höhe erst mit dem Jahresabschluss feststeht, wird die Tantieme meist nach dessen Feststellung fällig. Der BFH hat entschieden, dass der Anspruch mit der Feststellung des Jahresabschlusses fällig wird, sofern nicht zivilrechtlich wirksam und fremdüblich etwas anderes vereinbart ist (BFH, 03.02.2011, VI R 66/09). Im entschiedenen Fall war eine Fälligkeit drei Monate nach Feststellung anerkannt.

Gesellschafter-Geschäftsführer: Grenzen der Angemessenheit

Ist die Geschäftsführerin zugleich Gesellschafterin der GmbH, prüft das Finanzamt, ob ein ordentlicher Geschäftsleiter einer fremden Person dieselbe Tantieme zugesagt hätte. Ist das nicht der Fall, wird der unangemessene Teil als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) behandelt: Er mindert den Gewinn der GmbH nicht (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG) und wird beim Gesellschafter als Kapitalertrag besteuert. Aus der BFH-Rechtsprechung haben sich Faustregeln entwickelt:

  • 75/25: Die Gesamtbezüge sollen in der Regel zu mindestens 75 Prozent aus Festgehalt und höchstens 25 Prozent aus variablen Teilen bestehen.
  • 50-Prozent-Grenze: Übersteigen Gewinntantiemen insgesamt 50 Prozent des Jahresüberschusses, spricht der Anschein für eine vGA (u. a. BFH, I R 73/99).
  • Im Voraus und klar: Die Vereinbarung muss vor Beginn des Geschäftsjahres schriftlich getroffen, eindeutig berechenbar und tatsächlich so durchgeführt werden.
  • Umsatztantiemen erkennt die Finanzverwaltung bei GmbH-Gesellschaftern nur ausnahmsweise an, etwa in einer Aufbauphase.

Diese Regeln sind Richtwerte, keine starren Grenzen. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern sollte die Steuerberatung jede Tantiemevereinbarung prüfen.

Checkliste: Das gehört in die Tantiemevereinbarung

  1. Bemessungsgrundlage: genaue Kennzahl mit Verweis auf den festgestellten Jahresabschluss, inklusive der Frage, ob Tantieme und Ertragsteuern vorher abgezogen werden.
  2. Prozentsatz und Obergrenze: fester Satz, optional ein Cap in Euro oder als Anteil am Festgehalt.
  3. Bezugszeitraum: Geschäftsjahr, bei börsennotierten AGs eher mehrjährig.
  4. Fälligkeit: zum Beispiel „ein Monat nach Feststellung des Jahresabschlusses“.
  5. Ein- und Austritt: zeitanteilige Berechnung, wenn das Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr bestand.
  6. Anpassungen: wie mit Sondereffekten, Verlustvorträgen oder späteren Korrekturen des Jahresabschlusses umgegangen wird.
  7. Schriftform und Zeitpunkt: vor Beginn des Geschäftsjahres, bei Gesellschafter-Geschäftsführern zwingend.

Eine klare Regel spart später Streit über die Abrechnung. Wie sich die Tantieme in ein Gesamtpaket aus Festgehalt, Benefits und Beteiligung einfügt, zeigt der Beitrag zu Vergütungspaketen.

Beispiel: Tantieme einer angestellten Geschäftsführerin

Eine Geschäftsführerin (nicht beteiligt) erhält 120.000 € Festgehalt im Jahr und eine Tantieme von 10 Prozent des Jahresüberschusses vor Tantieme und Ertragsteuern. Für 2026 beträgt dieser Wert 400.000 €.

  • Tantieme: 10 % × 400.000 € = 40.000 €
  • Gesamtbezüge: 160.000 €, davon 25 % variabel
  • Der Jahresabschluss 2026 wird am 15. Mai 2027 festgestellt. Ist vertraglich nichts anderes geregelt, wird die Tantieme dann fällig und mit der Mai-Abrechnung als sonstiger Bezug versteuert.

Wäre sie Gesellschafterin, läge die Vereinbarung innerhalb der beiden Faustregeln: 25 Prozent variabel und eine Tantieme weit unter 50 Prozent des Jahresüberschusses.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Tantieme und Bonus?

Die Tantieme hängt am Ergebnis des Unternehmens oder Bereichs, meist am Gewinn. Ein Bonus knüpft häufiger an individuelle oder Teamziele an und wird auch Beschäftigten ohne Führungsverantwortung gezahlt.

Ist eine Tantieme steuerpflichtig?

Ja. Für Beschäftigte ist sie Arbeitslohn und unterliegt als sonstiger Bezug der Lohnsteuer und, soweit Versicherungspflicht besteht, der Sozialversicherung.

Wann wird die Tantieme ausgezahlt?

Meist nach Feststellung des Jahresabschlusses, weil erst dann die Bemessungsgrundlage feststeht. Der Vertrag kann einen späteren, fremdüblichen Termin festlegen.

Bekomme ich eine anteilige Tantieme, wenn ich im Jahr ausscheide?

In der Regel ja, wenn der Vertrag nichts Wirksames anderes regelt. Als Entgelt für die Arbeitsleistung ist die Tantieme zeitanteilig verdient. Pauschale Stichtagsklauseln in Formularverträgen halten oft nicht.

Wie hoch darf die Tantieme eines Gesellschafter-Geschäftsführers sein?

Als Faustregel höchstens 25 Prozent der Gesamtbezüge und insgesamt nicht mehr als 50 Prozent des Jahresüberschusses. Darüber droht eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Tantiemen, Boni und andere variable Bestandteile behältst du am besten zusammen mit dem Festgehalt im Blick. In flair verknüpfst du Vergütung, Ziele und Performance Reviews pro Person, damit die Grundlage für jede Zahlung nachvollziehbar dokumentiert ist.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Abweichende Regelungen in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung gehen vor. Stand: Oktober 2026.

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