9-Box-Grid: So nutzen Sie es für Talent Reviews (mit Vorlage)
Lisa Puls
Das 9-Box-Grid ist eines der bekanntesten Werkzeuge im Talentmanagement. Es ordnet alle Mitarbeitenden in eine einfache Matrix mit drei mal drei Feldern ein: Wie gut leisten sie heute, und wie viel Potenzial haben sie, sich weiterzuentwickeln? Auf einen Blick sieht die Führungsrunde, wen sie fördern, wen sie halten und wer bereit für mehr ist, und wo die Leistung Aufmerksamkeit braucht.
Dieser Beitrag erklärt, wie das Raster funktioniert, was die einzelnen Felder bedeuten, wie Sie damit eine Talentrunde führen und welche Fehler Sie vermeiden sollten. Außerdem können Sie unsere kostenlose 9-Box-Grid-Vorlage für Excel herunterladen.
Was ist das 9-Box-Grid?
Das 9-Box-Grid ist eine Matrix mit zwei Achsen. Die waagerechte Achse zeigt die Leistung: Ergebnisse und Verhalten in der aktuellen Rolle, meist aus dem letzten Mitarbeitergespräch. Die senkrechte Achse zeigt das Potenzial: wie wahrscheinlich es ist, dass die Person in größere oder komplexere Aufgaben hineinwächst. Jede Achse hat drei Stufen (niedrig, mittel, hoch), daraus ergeben sich neun Felder.
Das Modell ist von der GE-McKinsey-Matrix abgeleitet, einem Werkzeug aus den 1970er-Jahren, mit dem Unternehmen ihre Geschäftsbereiche nach Marktattraktivität und Stärke bewerteten. Personalabteilungen nutzen es vor allem für Nachfolgeplanung, Entwicklungsentscheidungen und Talent Reviews.
Die neun Felder im Überblick
Die Bezeichnungen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Diese verwendet unsere Vorlage, von der oberen Reihe (hohes Potenzial) bis zur unteren (niedriges Potenzial):
- Top-Talent (hohe Leistung, hohes Potenzial): die künftigen Führungskräfte. Halten, Entwicklung beschleunigen, für die Nachfolge vormerken.
- Aufstrebendes Talent (mittlere Leistung, hohes Potenzial): bereit zu wachsen, mit herausfordernden Aufgaben und Mentoring.
- Rohdiamant (niedrige Leistung, hohes Potenzial): oft neu in der Rolle oder in der falschen. Erwartungen klären, eng begleiten, Passung prüfen.
- Leistungsträger:in (hohe Leistung, mittleres Potenzial): liefert stark ab. Anerkennen, Verantwortung erweitern, nächste Rolle ausloten.
- Kernkraft (mittlere Leistung, mittleres Potenzial): das Rückgrat der meisten Teams. In der aktuellen Rolle entwickeln und Erfahrung verbreitern.
- Schwankende Leistung (niedrige Leistung, mittleres Potenzial): Ursachen klären, klare Ziele setzen, regelmäßig Feedback geben.
- Fachexpert:in (hohe Leistung, niedriges Potenzial): stark genau dort, wo sie sind. Belohnen und als Mentor:innen einsetzen.
- Solide Kraft (mittlere Leistung, niedriges Potenzial): verlässliche Beiträge. Mit gezielter Weiterbildung motiviert halten.
- Risiko (niedrige Leistung, niedriges Potenzial): einen Leistungsplan mit echter Unterstützung vereinbaren und einen Rollenwechsel prüfen, wenn er nicht greift.
So führen Sie eine Talentrunde mit dem 9-Box-Grid
- Kriterien festlegen. Vorab vereinbaren, was hoch, mittel und niedrig bei Leistung und Potenzial bedeuten. Ohne gemeinsame Definitionen nutzt jede Führungskraft ihre eigene Skala.
- Leistung anhand von Belegen bewerten. Grundlage sind die Ergebnisse des letzten Mitarbeitergesprächs, nicht das Bauchgefühl.
- Potenzial getrennt einschätzen. Lernfähigkeit, Ambition und der Umgang mit neuen, komplexeren Aufgaben zählen. Potenzial ist nicht dasselbe wie Leistung.
- Mitarbeitende einordnen. Führungskräfte tragen für jede Person im Team eine erste Einschätzung ein.
- Kalibrieren. In einer Kalibrierungsrunde vergleichen die Führungskräfte ihre Einordnungen nebeneinander und passen sie an, damit „hoch“ in jedem Team dasselbe bedeutet.
- Maßnahmen vereinbaren. Zu jedem Feld gehört eine Empfehlung. Daraus werden konkrete Entwicklungspläne, Nachfolgekandidat:innen und Folgetermine.
- Kommunizieren und wiederholen. Mitarbeitende erhalten Feedback zu ihrem Entwicklungsplan (nicht unbedingt zu ihrem Feld); die Runde wird ein- bis zweimal im Jahr wiederholt.
Wenn ein Betriebsrat besteht, sollten Sie ihn früh einbinden: Allgemeine Beurteilungsgrundsätze bedürfen seiner Zustimmung (§ 94 Abs. 2 BetrVG).
Häufige Fehler
- Leistung und Potenzial verwechseln: Wer heute am meisten leistet, ist nicht automatisch die nächste Führungskraft.
- Etiketten, die kleben bleiben: Das Raster ist eine Momentaufnahme. Einordnungen regelmäßig überprüfen statt sie festzuschreiben.
- Verzerrungen: Jüngste Ereignisse, Ähnlichkeit zur Führungskraft oder Sichtbarkeit in Meetings verzerren Bewertungen. Kalibrierung und Belege helfen dagegen.
- Keine Folgemaßnahmen: Ein Raster ohne Entwicklungspläne ist nur ein Diagramm.
9-Box-Grid Vorlage (Excel, kostenlos)
Unsere Vorlage hat drei Blätter: Bewertung, in dem Sie jede Person bei Leistung und Potenzial mit 1 bis 3 einstufen, Raster, das die Personen je Feld automatisch zählt, und Felder mit Bezeichnung und empfohlener Maßnahme für jedes Feld. Ohne Anmeldung.
Für eine einheitliche Leistungsbewertung vorab gibt es unsere kostenlose Mitarbeitergespräch Vorlage. Wie Sie Schlüsselpositionen absichern, lesen Sie im Beitrag zur Nachfolgeplanung. Kalibrierungsrunden mit allen Bewertungen nebeneinander führen Sie mit der Leistungskalibrierung in flair.
Häufige Fragen
Wofür wird das 9-Box-Grid genutzt?
Vor allem für Talent Reviews, Nachfolgeplanung und Entwicklungsentscheidungen: Es zeigt, wer bereit für mehr Verantwortung ist, wer Unterstützung braucht und wo im Unternehmen Lücken bestehen.
Wie misst man Potenzial im 9-Box-Grid?
Mit vereinbarten Kriterien wie Lernfähigkeit, Ambition und der Fähigkeit, komplexere Aufgaben zu übernehmen, eingeschätzt von der Führungskraft und kalibriert mit anderen Führungskräften. Potenzial wird getrennt von der aktuellen Leistung bewertet.
Sollten Mitarbeitende ihr Feld kennen?
Das handhaben Unternehmen unterschiedlich. Viele teilen den Entwicklungsplan und das Feedback dahinter, nicht das Feld selbst, weil Etiketten ohne Kontext demotivieren können.
Wie oft sollte man das 9-Box-Grid aktualisieren?
Ein- bis zweimal im Jahr, meist nach der Runde der Mitarbeitergespräche, und bei größeren Veränderungen im Team.
In Verbindung stehende Artikel

Mitarbeiterführung: Definition, Aufgaben, Führungsstile und Fehler
Mitarbeiterführung (auch Personalführung) heißt, Mitarbeitende zielgerichtet zu leiten. Welche Aufgaben dazugehören, wie direkte und indirekte Führung wirken und welche Fehler Du vermeiden solltest.

Schmutzzulage: Anspruch, Höhe im TVöD und Steuer in Deutschland und Österreich
Die Schmutzzulage bzw. Erschwerniszulage wird an Arbeitnehmende gezahlt, die sich während ihrer Arbeitszeit in besonders ungewöhnliche oder auch risikoreiche Situationen bringen.

Qualifizierte elektronische Signatur (QES): Definition, Beispiel und Einsatz im HR
Die qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist eine spezielle Form der digitalen Signatur, die viel Vertrauen und Sicherheit für Online-Transaktionen bietet. Sie ist in dieser digitalen Welt kaum noch wegzudenken.
